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Hingehen, hinsetzen, wohlfühlen

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Erschienen im stil&markt, Ausgabe 4/2004
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Das ideale Fachgeschäft sollte ein besonderer Ort sein. Einer, an dem man nicht nur einkaufen, sondern aan dem man etwas erleben und sich wohlfühlen kann.

Das Voglhaus in Konstanz ist so ein Ort. Martina Vogl, Inhaberin und Namensgeberin des Geschäftes, hat es zusammen mit ihrem Team dazu gemacht, indem sie hier seit der Eröffnung 1999 konsequent ihre ganz spezielle Idee umgesetzt hat, mit den schönen Dingen der branche Geschichten zu erzählen.

So konnten zu Weihnachten, um nur ein Beispiel zu nennen, ihre Kunden ihre Geschenke in einem verwunschenen Märchenwald erwerben, mit echten Bäumen aus dem Wald, Schneelicht, für das eine Diskokugel sorgte, und einem alten Fenster, das Pfefferkuchenahaus-Atmosphäre verbreitete.

Da man eine gute Geschichte erst richtig genießen kann, wenn man es dabei bequem hat, war das Voglhaus auch von Anfang an ein kleines Cafè. Hier kann man vor einem knisternden Kaminfeuer sitzen, Kaffeespezialitäten genießen und den Blick schweifen lassen über Kerzen, Raumdüfte und Wohnaccessoires.

Kaufentscheidungen können in dieser Umgebung langsam reifen, oft sogar überm Cafè Condor - einer Spezialität des Hauses - erst geboren werden. Diese Mischung aus Fachgeschäft und Gastronomiebetrieb kommt bei den Kunden an. Oder, um es mit den Worten von Martina Vogl zu sagen. "Das hat richtig eingeschlagen."

Herzen für Kunden

Das liegt zum einen natürlich am Geschichten- Erzählen - Wohlfühl- Konzept, zum anderen aber vor allem an der Art, wie dieses Konzept umgesetzt wird. Wir sind Gastgeber, definiert die 46-Jährige ihre Rolle nicht nur als Cafè-Wirtin, sondern auch als Einzelhändlerin, und "wir müssen es den Kunden bei ums im Geschäft so angenehm wie möglich machen".

Eine Einstellung, die bis in die kleinsten Dinge zu spüren ist. Beispiel Cappuccino: Jede Tasse, die serviert wird, bekommt im Woglhaus per Schablone ein kleines Kakao-Herz verpasst. Das ruft dann schon mal Reaktionen hervor, wie bei einer Kundin, der Martina Vogl diese kleine Herzlichkeit am Kamin servierte: "Sie sah die Tasse und rief schluchzend `Jetzt ist da auch noch ein Herz drauf“", erzählt die Voglhaus-Inhaberin, "dann meinte sie weinend, dass es ihr zu Zeit so schlecht ginge, aber bei uns alles so schön wäre, dass sie sich gleich besser fühle."

Ein Herz für Kunden im wahrsten Sinne des Wortes. Bald wird“s von diesen Herzen noch mehr geben: Demnächst macht nämlich noch das Voglhaus-Cafè auf und zwar in den Räumen des Body-Shops. Wie es dazu kam, ist ebenfalls eine erzählenswerte Geschichte.

Weiter Handels-Horizont

Eine Karriere in Einzelhandel und Gastronomie lag für Martin Vogl ursprünglich überhaupt nicht auf der Hand. Zum Glück für die Geschäftslandschaft am Bodensee gab es aber nach Beendigung ihres Studiums der Germanistik und Slawistik gerade eine Lehrerschwemme, sodass die damals 27-Jährige sich nach anderen beruflichen Möglichkeiten umsah. Durch Zufall las sie eine Annonce in der Zeitung, in der eine Geschäftsfüherin für eine Yves Rocher-Filiale in Singen gesucht wurde. Das einzige, was man mitbringen musste, so hieß es in der Anzeige, war Engagement. "Daran soll's nicht scheitern", dachte sie sich und führte den Laden mehrere Jahre lang, bis sie in Konstanz ebenfalls als Franchisenehmerin den oben erwähnten Body-Shop übernahm.

Dass sie eher zufällig in die Kosmetikbranche geraten war, hinderte sie nicht daran, erfolgreich zu wirtschaften: "Wir waren von Anfang an auf der Liste der besten zehn Franchisennehmer in Deutschland" erinnert sie sich nicht ohne berechtigten Stolz und kann das Phänomen auch erklären".

Wenn man über mehr als nur Einzelhandelhorizont verfügt, kommen oft ganz dolle Dinge zustande." Wie das "Voglhaus", zu dem sie nach einigen Jahren des Body-Shops umbaute. Eine entscheidene Hilfe dabei war ihr Mann Lutz Steiner. Er verkaufte sein Ingeneurbüro und machte aus dem "100 Jahre alten Ding"(O-Ton Martina Vogl) das schmucke "Voglhaus".

Den Einzelhandel sieht sie als idealen Tummelplatz für Kreative: "das fängt bei der Deko an und geht mit dem Zusammenspiel mit den Mitarbeitern und den Kunden weiter. Im Geschäft bekommt man seine eigene Bühne." Und die Bühne war immer die geheime Leidenschaft der Konstanzerin. Kein Wunder also, dass sie in ihrem "Voglhaus" eine Veranstaltungsreihe mit Theater- und Musikdarbietung etabliert hat, die den schönen Namen "Feinkunst" trägt. Vier bis sechs Mal im Jahr wird mitten im Verkaufsraum eine kleine Bühne aufgebaut, auf der Profikünstler vor rund 40 Zuschauern auftreten. Vorher gibt“s immer eine kulinarische Einstimmung, für die Brüder von Martina Vogl, der ein ambitionierter Hobbykoch ist, verantwortlich zeichnet. Sicher, vom rein betriebswitschaftlcien Standpunkt aus gesehen lässt sich mit den Feinkust Abenden kein Geld verdienen. Aber sie binden die Kunden ans Haus und liegen der Theaterfreundin sowieso am Herzen: "Die `Feinkunst`, die ins neue `Voglhaus - Cafe` umziehen wird, ist mittlerweile in Konstanz einer Institution. Und gleichzeitig kann ich dabei meine Hobbys verwirklichen." Wobei zusätzlich erwähnenswert ist, dass mit diesen Veranstaltungen auch der Förderverein der Konstanzer Aidshilfe unterstützt wird.

Kein Dienst nach Vorschrift

Auch das würde ein strenger Betriebswirtschaftler wohl nicht gutheißen. Aber es dürfte gerade die Bereitschaft von Martina Vogl sein, ihre lebensfrohe energie ohne Vorbehalt in ihr Geschäft zu pumpen, die letzten Ende auch fürs finanzielle Wohlergehen des Unternehmens verantwortlich ist. Ein besonderer Ort kann eben nicht geschaffen werden, wenn mann Dienst nach Vorschrift schiebt.

Ihr 16-köpfiges Team hat sich von iher Begeisterung anstecken lassen. Die Zehn, die bisher im Bodyshop mitgearbeitet haben, haben sich bereit erklärt, künftig im neuen "Voglhaus- Cafe" dabei zu sein. "Schaum schlürfen, statt Schaum baden" ist der Slogan der auf dem Transparent zu sehen ist, das während des Umbaus die Fassade des ehemaligen Body- shops schmückte.

Überhaupt, die Mitarbeiter: Ihr Team kann Martina Vogl gar nicht genug loben. Besonders Melanie Lußem hebt sie hervor, "der gute Geist der Firma", der ihr den Rücken freihält- und die übrigens die Wortkünstlerin ist, die sich die griffigen "Voglhaus"-Slogans ausgedacht hat. Man kann ziemlich sicher sein, dass die Voglhäusler allesamt mit ihren beiden Betrieben, dem "Voglhaus" und dem "Voglhaus -Cafe", ihren "Feinkunst" -Abenden, ihren Cappuccino Herzen und ihren Wohlfühl- Geschichten weierhin Erfolg haben werden. Und vielleicht wieder wie 2002, beim Wettbewerb zum "Dienstleister des Jahres", den das Land Baden-Württemberg ausschreibt, ausgezeichnet werden.

 
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