|
|||||
|
Kunstsinnige Feministin mit Herz --------------------------------------------------------------------- Südkurier, Ausgabe Konstanz, 13.03.2008 --------------------------------------------------------------------- Das Leben als Unternehmerin ist nicht immer leicht: Martina Vogl hat Ärger wegen der Lüftung und am Wochenende steht eine weitere Auflage der Voglhaus-Feinkunst-Reihe an. Goethes italienische Reise an zwei Abenden - es gibt noch viel zu tun. "Aber jetzt trinken wir erst einmal einen Sekt", beschließt sie. Ein kleiner Sekt zum Runterkommen scheint in diesem Moment genau das richtige zu sein, doch: Martina Vogl bleibt lieber da oben, auf der Palme, auf die sie ihre Mitmenschen manchmal treiben. Die 50-Jährige ist nämlich noch lange nicht damit fertig, sich zu ärgern, sich zu wundern und sich und andere zu fordern."Mich stört das Elitäre an Kunst", sagt sie, die so nebenher ganz lässig Fontane zitiert. Ihre Feinkunst-Abende, die in unregelmäßigen Abständen stattfinden, sollen eine runde Sache sein, mit leckerem Essen und vor allem der unverwechselbaren Voglhaus-Energie. Thematisch ist so ziemlich alles drin: Oper, Tanz, Lesungen, Improvisationstheater. Ihre Interessen sind so vielseitig wie ihre Biographie vielschichtig ist. Früher wollte sie sogar einmal Schauspielerin werden. Vor dem Kamin im Cafélichtsinnig gerät Martina Vogl ins Fabulieren. Und das kann sie: mitreißend, wortgewaltig und mit deutlichem schwäbischen Einschlag erzählt sie von der ersten Enttäuschung nach dem Lehramtsstudium, als es entgegen der Erwartungen keine Stelle für die damals 26-Jährige gab. Aus Frustration und Trotz hat sie mit ihrer Freundin Angela Mössle, die heute das Suppengrün besitzt, den Sprachendienst gegründet. In der Unterzeile: Selbsthilfeverein arbeitsloser Akademiker/innen. Die Haltung ihrer Kommilitoninnen war für sie wieder ein Grund, sich zu ärgern. Sie wollte sich nicht in eine Opferrolle fügen und sich wie die anderen vom patriarchalischen Vater Staat verlassen fühlen. Sie nahm ihr Leben selbst in die Hand. Sitzt hier also eine Feministin vor dem prasselnden Feuer? "Ja, natürlich", sagt Martina Vogl und verschränkt die Arme vor der Brust. Eine Feministin, die sich ihren Posten als vielfach ausgezeichnete Kaffeehaus-Pionierin erarbeitet hat. Gemeinsam mit ihrem Mann Lutz Steiner, den sie als einen "ruhigen Denker" beschreibt, der ihr, der "geschwätzigen Aktionistin" so gar nicht ähnele. Kinder haben sie keine. "Aber einen Hund", betont Martina Vogl und lacht, vielleicht etwas zu schnell. Sie wollte immer etwas bewegen, das geht mit Kindern schwer. Den Hund hat sie sich bewusst zugelegt, um sich zu entspannen, sich zu bewegen und auch eine gewisse Struktur in ihr hektisches Leben zu bringen. "Man braucht Rhythmus im Leben, sonst zerrinnt es einem zwischen den Fingern", ist sich die Unternehmerin sicher. Sie habe immer schnell gelebt. Wollte um jeden Preis selbstständig sein, womit, das war erst einmal zweitrangig. Aber selbst bestimmen und sagen, wo es lang geht: das liegt ihr. Das Diplomatische, Vermittelnde eher nicht. Als rau, aber herzlich beschreibt sie sich treffend selbst. Bei Yves Rocher in Singen hat sie dann angefangen, 1991 den Body Shop in Konstanz eröffnet. An die Ängste ihrer Mutter damals erinnert sie sich noch genau: "Wärst du doch Lehrerin geworden", so deren Sorge. Vor der Eröffnung des Cafélichtsinnig 1999, in dem Martina Vogl Einkaufen und Kaffee trinken zusammen gebracht hat, hat sie prophezeit: "Wenn morgen früh der erste Kunde hier reinkommt und sich totlacht, dann schließe ich sofort wieder zu." Das ältere Ehepaar, das dann den Laden betreten hat, habe aber mit solcher Ruhe einen Cappuccino bestellt, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten. Experiment geglückt, die Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf. In ihrem Laden finden sich Dekorationselemente abseits des Mainstreams. "Die Leute lechzen nach Individualität", meint Martina Vogl, die mit ihrer dunklen Brille und der ausgesucht ungewöhnlichen Kleidung so gar nicht nach Schnickschnackladen-Besitzerin aussieht. Aber Schnickschnack will sie auch nicht verkaufen. Lieber provozieren und anecken. Auch mit ihren Feinkunstabenden, die, wie in den vergangenen Jahren, mal wieder restlos ausverkauft sind. ANJA ARNING Martina Vogl Die Besitzerin des Café Voglhaus und des Cafélichtsinnig wurde 1957 in Göppingen geboren. Sie hat an der Universität Konstanz Germanistik und Slawistik studiert und nach ihrem Abschluss den Konstanzer Sprachendienst gegründet. Vogl war Franchisenehmer bei den Kosmetikunternehmen Yves Rocher und Body Shop und hat 1999 in der Münzgasse das Cafélichtsinnig eröffnet. 2004 folgte das Café Voglhaus. Martina Vogl ist mit Lutz Steiner verheiratet, sie hat keine Kinder. (aa) --------------------------------------------------------------------- www.suedkurier.de | Artikel als PDF --------------------------------------------------------------------- |
|||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |