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Volles Haus und viel Humor --------------------------------------------------------------------- Südkurier, Ausgabe Konstanz, 05.09.2008 --------------------------------------------------------------------- Auch der dritte Abend der Lesereihe "Gutenachtgeschichten" hatte seinen ganz eigenen Reiz: Es wurde deutlich wie verschieden Literatur sein kann. Zum Beispiel ernst, lustig, poetisch oder ironisch. Der gestrige Abend, bei dem das Damen-Duo Martina Vogl und Angelika Homburger vortrug, zeichnete sich vor allem durch Konstanzer Lokalkolorit und viel Humor und Gelächter im Publikum aus. Besonders die Lesung von Martina Vogl aus Loriots kleinem Opernführer brachte die über 100 Zuhörer immer wieder zum Lachen. Martina Vogl, die Besitzerin des Cafés Voglhaus, wählte, passend zu den aktuellen Diskussionen um die Nachfolge der Bayreuther Festspielleitung, Loriots liebevoll-ironische Zusammenfassung von Wagners "Ring des Nibelungen" aus. Sie habe das Buch vor einigen Jahren gekauft, um sich auf eine Wagner-Aufführung in Stuttgart vorzubereiten. Und Loriot habe als einziger das Kunststück geschafft, Richard Wagners 16 Stunden dauernden Ring des Nibelungen auf einen Abend zu komprimieren. Ohne Respekt vor dem "Meister", wie Richard Wagner in Bayreuth respektvoll genannt wird, komprimiert Loriot das Werk Wagners auf die für ihn typische Weise. Wagners pompösen deutsch-nationalen Klänge übersetzt Loriot in die Umgangssprache und benutzt Wendungen wie "die Kastanien aus dem Feuer holen", "den Braten riechen" oder "den eigenen Kopf retten". Der Meister hätte sich vermutlich im eigenen Grab umgedreht, aber beim Publikum kam Martina Vogls engagierte Lesung voll und ganz an. "Im Gegensatz zur modernen TV-Comedy macht sich Loriot nicht von oben herab über bestimmte Menschen lustig. Vielmehr pflegt er einen liebevollen Umgang mit den von ihm Karikierten und ist sich auch immer bewusst, dass er auch nur ein Mensch ist", erklärte Martina Vogl. Auch Martina Vogl hatte die Lacher auf ihrer Seite als sie halb-ironisch sagte, dass sie stolz sei, hier als Prominente lesen zu dürfen ohne sich beworben zu haben. SÜDKURIER-Leserin Angelika Homburger wählte mit "Die Bohème von Kustenz" des elsässischen Lyrikers Eduard Reinacher (1892-1968) einen Roman, der in Konstanz spielt. Das satirische Buch erschien erstmals 1929 und soll im nächsten Jahr vom Forum Allmende neu aufgelegt werden. Darin geht es um den Expressionisten Rudolf Adrian Dietrich und die Zeit nach dem ersten Weltkrieg in Konstanz. "Seitdem hat sich gar nicht so viel verändert. Vor allem die Mentalität ist gleich geblieben. Die Konstanzer schwanken zwischen Minderwertigkeitsgefühlen und Größenwahn", sagte Angelika Homburger. Aber auch architektonische Gebäude und Plätze wie das Münster oder die Markstätte kommen in dem Roman vor. Genauso spielen wirkliche Figuren in dem Roman mit. Außerdem werden politische Ereignisse wie die Währungsreform verarbeitet. Das Buch, dem man sein Alter ansieht, erwarb die 49-jährige Logopädin übrigens in einem Antiquitäten-Geschäft. Die humorvolle Doppel-Lesung setzte die Messlatte für den hauptberuflichen Comedian Tobias Bücklein am heutigen Abend hoch an. Man darf gespannt sein, ob der 40-Jährige noch höher in den Himmel des Humors springen kann. THOMAS DOMJAHN |
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